Nettovermögen – Die wichtigste Finanzkennzahl

Wir Deutschen sprechen nicht gerne über unser Geld.

Wenn wir es dann aber doch mal tun, lauten die Fragen etwa „Wie hoch ist dein Bruttoverdienst pro Monat?“ oder „In welcher Tarifgruppe des Tarifvertrags bist du eingruppiert?“  

Unser Fokus liegt bei der Bewertung unseres Wohlstandes häufig auf dem, was wir monatlich verdienen – unserem Gehalt.

Dabei gibt es eine viel entscheidendere Zahl zur Bewertung des persönlichen Reichtums, über die so gut wie niemand spricht: das eigene Nettovermögen.

Für mich gehört die Ermittlung unseres Nettovermögens mittlerweile zu den monatlichen Routinehandlungen im Rahmen unserer Finanz- und Haushaltsplanung. Aber auch ich brauchte etwas länger, um zu erkennen, weshalb gerade diese Vermögenskennzahl so wichtig ist und weshalb man sie laufend berechnen sollte.

Was genau das Nettovermögen ist, warum es so wichtig ist in „Nettovermögen“ zu denken und wie du dein Nettovermögen erhöhen kannst, darum soll’s heute beim Geldarchitekten gehen.

Los geht’s!

Inhalt

1. Was ist das Nettovermögen und wie berechnet man es?

Die Berechnung des Nettovermögens ist so simpel, dass es fast keiner Formel bedarf.

Nettovermögen = Summe Vermögenswerte – Summe Verbindlichkeiten

Das Nettovermögen (auch: Reinvermögen) einer Person ist definiert als die Summe seiner Vermögenswerte abzüglich der Summe seiner Verbindlichkeiten.

Ohne BWL studiert zu haben, lässt sich das Ganze relativ einfach in Form einer privaten Bilanz grafisch darstellen.

Beispiel:
Du bist Eigentümer einer Wohnung (Anschaffungswert: 100.000 €), welche du über einen Kredit (Restschuld: 90.000 €) zu 100% finanziert hast. Zudem hast du 5.000 € Guthaben auf deinem Girokonto und ein ETF-Depot in Höhe von 20.000 €. Weitere Vermögenswerte und Verbindlichkeiten besitzt du nicht.

Hieraus ergibt sich folgende Bilanz für dich:

Dein Nettovermögen ermittelst du, in dem du deine Verbindlichkeiten von deinen Vermögenswerten abziehst. Das Nettovermögen ist also die Differenz aus Vermögen und Verbindlichkeiten.
Berechnung des Nettovermögens

Ziemlich easy zu berechnen, oder?

Dein Reinvermögen ist ganz einfach die Differenz aus deinen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten und erscheint (wenn es positiv ist) auf der rechten Seite deiner privaten Bilanz.

2. Wieso ist das Nettovermögen so wichtig?

T. Harv Eker schreibt in seinem Buch „So denken Millionäre“*, dass das Nettovermögen der ultimative Maßstab zur Messung von Reichtum ist.  Er begründet dies damit, da alle Vermögenswerte – falls erforderlich – liquidiert und zur Tilgung vorhandener Schulden genutzt werden können.

Wohlstand bemisst sich am Nettovermögen, nicht am Gehalt. (T. Harv Eker)

Reiche Menschen kennen diesen Zusammenhang und konzentrieren sich deshalb auf die Erhöhung ihres Reinvermögens. Sie kennen zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens ihr Reinvermögen und wissen damit stets wie viel sie „wert sind“.

Arme Menschen bzw. Menschen der Mittelschicht hingegen konzentrieren sich meist lediglich auf ihr Gehalt. Ihnen ist nicht bewusst, wie hoch ihr Reinvermögen ist und wie viel sie „wert sind“, so Eker.

Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, weshalb der ausschließliche Fokus auf das Gehalt in finanzieller Hinsicht zu kurz gedacht ist. Denn auch mit einem Einkommen von 150.000 € könntest du durch hohe Ausgaben verschuldet sein und somit über ein negatives Reinvermögen verfügen.

In dieser Situation wärst du finanziell abhängig von deinem Job, besitzt keine finanzielle Sicherheit und wirst somit auch nicht glücklich in deinem Leben sein.

Ein hohes Nettovermögen hingegen bietet dir neben finanzieller Sicherheit ebenfalls Gestaltungsräume in Bezug die Generierung neuer Einkommensquellen, die dir wiederum mehr Freiheit geben. Durch geschickte Investitionen deines angesparten Vermögens z. B. in Aktien, ETFs oder Immobilien kannst du passive Einkommensquellen erschließen, ohne hierfür deine Lebenszeit einsetzen zu müssen.

Falls dein finanzieller Fokus bisher ausschließlich auf deinem Arbeitseinkommen lag, solltest du deshalb darüber nachdenken deine Perspektive zu wechseln und zu lernen in „Nettovermögen“ zu denken.

3. Drei Tipps wie du dein Nettovermögen erhöhen kannst

Es gibt grundsätzlich drei Möglichkeiten, die du zur Erhöhung deines Nettovermögens nutzen kannst. Im besten Fall nutzt du auch alle drei, denn damit zündest du den Turbo für deinen Vermögensaufbau!

3.1 Erhöhe dein Gehalt bzw. Einkommen

Auch wenn dein finanzieller Fokus nicht ausschließlich auf deinem Gehalt bzw. Einkommen liegen sollte, so ist dieses doch ein elementarer Bestandteil für die Erhöhung deines Nettovermögens. Denn nur wenn Geld in deine Kassen gespült wird, kannst du logischerweise auch Vermögen aufbauen. 

Dein Gehalt bzw. Einkommen ist das Feuerholz, mit dem du deinen finanziellen Kamin befeuerst.

Unterschied Gehalt vs. Einkommen
Gehalt
Das Gehalt wird aktiv, meist im Tausch Zeit gegen Geld, verdient. Es bezeichnet die Gegenleistung des Arbeitgebers für die vom Arbeitnehmer erbrachte Arbeitsleistung.

Einkommen
Das Einkommen ist die Summe aller passiven und aktiven Einkommensquellen, die einer Person zufließen. Dies können neben dem aktiv verdienten Gehalt aus einer Angestelltentätigkeit auch passive Einkommensquellen wie Zinsen aus Anlagen, Dividenden aus Aktien oder Mieteinnahmen sein.

Wenn du die Erhöhung deines Nettovermögens für dich als Ziel ausgegeben hast, dann sollest du dir Gedanken darüber machen, wie du dein Gehalt bzw. Einkommen erhöhst. Denn bei gleichbleibenden Ausgaben gilt:

Je höher dein Einkommen ist, desto höher ist deine Sparquote. Mit höherer Sparquote wächst dein Nettovermögen schneller. 

Folgend habe ich eine Liste von Ideen für aktive und passive Einkommensquellen, mit denen du dein Einkommen erhöhen kannst:

  • Verhandle eine Gehaltserhöhung mit deinem Chef
  • Nimm einen zusätzlichen Nebenjob an
  • Starte eine nebenberufliche Selbstständigkeit (z. B. Blog, E-Commerce, Beratung, Autor etc.)
  • Investiere in Anlageklassen, die dir ein zusätzliches passives Einkommen generieren (z. B. Aktien, ETFs, Immobilien, P2P-Kredite etc.)

Sei einfach kreativ bei der Erschließung neuer Einkommensquellen. Jedes bestehende Problem in unserer Gesellschaft ist gleichzeitig eine mögliche Geschäftsidee und damit eine Einkommensquelle.

Es ist nicht nur zur Erhöhung deines Einkommens sinnvoll mehrere Einkommensquellen zu besitzen. Wenn du dein Einkommen auf mehreren Säulen aufbaust, entgehst du gleichzeitig der Gefahr von deinem Arbeitgeber finanziell abhängig zu sein.

Mach es so wie viele reiche Menschen und erschaffe dir ein diversifiziertes Einkommen, das sich aus mehreren aktiven und passiven Einkommensquellen zusammensetzt. Die Tatsache nicht auf eine Einkommensquelle angewiesen zu sein, wird in dir das Gefühl der Sicherheit und Entspannung auslösen.

3.2 Kontrolliere deine Ausgaben und vermeide die Lifestyle Inflation

Leider geht bei vielen Menschen ein steigendes Einkommen Hand in Hand mit steigenden Ausgaben. Dieses Phänomen ist auch unter dem Begriff Lifestyle Inflation bekannt.

Die Lifestyle Inflation lässt sich besonders häufig bei Studenten beobachten, die erstmals nach dem Studium Geld verdienen.

Jahre lang haben diese auf schmalen Fuß in ihrer Studenten WG gewohnt und sich mit Essen aus der Mensa begnügt. Mit Auszahlung des ersten Gehalts ändert sich dieser Lebensstil jedoch meist abrupt. Eine eigene Wohnung, ein Auto und Essen gehen im Restaurant sind fortan häufig teure Kostenfaktoren ihres Lebens.

Auch wenn grundsätzlich nichts gegen eine solche Erhöhung der Lebensqualität spricht, so sollte eine solche Entwicklung dennoch mit Vorsicht genossen werden. Denn häufig werden auch zukünftige Gehaltserhöhungen direkt in weiteren Konsum gesteckt, ohne dass auch nur ein weiterer Euro dem Reinvermögen zugeführt wird.

Nicht nur vor dem Hintergrund der Lifestyle Inflation ist es deshalb elementar wichtig, dass du weißt in welchen Lebensbereichen du wie viel Geld ausgibst. Erfolgreiche finanziellen Gewohnheiten sind hier der Schlüssel zum Erfolg. 

Etabliere finanzielle Routinen, wie z. B. das Erstellen einer monatlichen Haushaltsrechnung, in der du dein Einkommen und deine Ausgaben gegenüberstellst und lege dir Budgets für deine Ausgaben fest.

Mithilfe einer Haushaltsrechnung wirst du wissen, wo dein Geld monatlich bleibt und zudem hohe Kostentreiber für dich identifizieren können. Du wirst eine Kontrolle über deine Ausgaben gewinnen und anfangen Vermögen aufzubauen.

Mach dir bewusst, dass dein Gehalt noch so hoch sein kann. Wenn du alles von ihm ausgibst, wirst du kein Vermögen aufbauen. Um dein Nettovermögen zu erhöhen ist es zwingend erforderlich, dass du Geld sparst.

3.3 Investiere regelmäßig

Sobald du angefangen hast Geld zu sparen, kannst du zur letzten Stufen des Vermögensaufbaus übergehen: dem Investieren.

Denn um ein wirklich hohes Nettovermögen aufzubauen ist es nicht ausreichend viel Geld zu verdienen und zu sparen. Das gesparte Geld muss auch renditestark investiert werden, damit es für dich arbeitet und noch mehr Geld erwirtschaftet. Hier gilt es, den Zinseszinseffekt und das damit verbundene exponentielle Wachstum zu nutzen.

Einer der wichtigsten Faktoren beim Investieren ist neben der Höhe des investierten Kapitals und der Höhe der Verzinsung der Faktor Zeit. Es macht einen riesigen Unterschied, ob du heute mit dem Investieren anfängst oder erst in 5 oder 10 Jahren. Von daher gilt:

Je früher du investierst, desto mehr Nettovermögen wirst du generieren.

In der heutigen Zeit ist es leicht wie nie, sich online zum Thema Investieren zu informieren und die gewonnen Erkenntnisse direkt umzusetzen. Es gibt Unmengen an Büchern, Blogs, Videos bei YouTube und Podcast mit sehr guten und häufig kostenfreien Inhalten. Mit etwas Zeit und Engagement kann deshalb jeder sein Vermögen erfolgreich selbst investieren und verwalten.

Ich habe es genauso gemacht und mir mein finanzielles Wissen zu Themen wie ETFs, P2P-Krediten und Immobilien selbstständig mit den o. g. Medien beigebracht. Dieses Wissen habe ich direkt umgesetzt. Heute bin ich in jeder dieser drei Anlageklassen investiert.

Falls du kein Bock darauf hast, dein Geld selbst zu investieren, dann ist das auch okay. Dann solltest du aber die Angebote von Vermögensverwaltern oder Banken nutzen und dein Geld über diese investieren.

Die Hauptsache ist, dass du dich um dein Geld kümmerst, denn nichts ist schlimmer als „totes Kapital“ auf Tagesgeld-, Spar- oder Girokonten, von dem dir die Inflation jährlich einen Teil an Kaufkraft stiehlt.

4. Zusammenfassung

Das Nettovermögen ist der ultimative Maßstab zur Messung deines Reichtums.

Auch wenn die Höhe deines Gehalts bzw. Einkommens für den Aufbau eines hohen Reinvermögens essenziell ist, sagt dein Gehalt allein nichts über deine Vermögenssituation aus.

Wenn dir Geld und Wohlstand wichtig sind, dann solltest du lernen in „Nettovermögen“ zu denken. Es ist deshalb auch wichtig, dass du die Höhe deines aktuellen Nettovermögens kennst.

Ich gebe dir daher den zusätzlichen Tipp, dein Nettovermögen regelmäßig zu berechnen.  

Dies hat zum einen den großen Vorteil, dass du die Erhöhung deines Nettovermögens beobachten und dich so selbst stark motivieren kannst. Zum anderen kannst du dir ein Ziel-Nettovermögen setzen und anhand einer regelmäßigen Berechnung deines Reinvermögen die Fortschritte auf dem Weg zum Ziel beobachten.

Wie ich mein Reinvermögen im Rahmen meiner Finanz- und Haushaltsplanung berechne, zeige ich dir in Serie 3 des finanziellen Fundaments.

5. FAQ

5.1 Wie hoch ist das Nettovermögen der deutschen Haushalte?

Eine Vermögensbefragung der deutschen Bundesbank im Jahr 2017 ergab, dass wir Deutschen ein durchschnittliches Nettovermögen von 232.800 € besitzen. Allerdings ist dieses Nettovermögen sehr ungleich verteilt. So beträgt das Median-Nettovermögen, also der Wert, der die Haushalte in eine reichere und eine ärmere Hälfte aufteilt, 70.800 €.

Zu den reichsten zehn Prozent der privaten Haushalte gehört ein Haushalt ab einem Nettovermögen von 555.400 €. Dieser Gruppe gehören ca. 55 % des Nettogesamtvermögens in Deutschland.

5.2 Was ist der Unterschied zwischen Nettovermögen, Reinvermögen und Eigenkapital?

Nettovermögen, Reinvermögen und Eigenkapital sind Synonyme. Alle Begriffe sind definiert als die Differenz aus Vermögenswerten und Verbindlichkeiten.

5.3 Was zählt zum Nettovermögen?

Das Vermögen eines Haushalts setzt sich aus all seinen Besitztümern zusammen – vom Auto bis zum Wertpapierdepot. Die Höhe der Verbindlichkeiten ergibt sich aus der Summe aller Schulden eines Haushalts – vom Immobilienkredit bis zur Kreditkarte. Das Nettovermögen ist die Differenz aus allen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten.

Wie stehts um dich? Denkst du bereits in Nettovermögen und berechnest dieses regelmäßig?

Lass mir gerne einen Kommentar hier!

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