Lifestyle Inflation – Das parkinsonsche Gesetz des Geldes

Rinnt dir das Geld durch die Finger und schaffst du es trotz deines guten Gehalts nicht Geld zu sparen und Vermögen aufzubauen?

Dann leidest du vermutlich an dem parkinsonschen Gesetz bzw. der Lifestyle Inflation!

Was es mit der Lifestyle Inflation auf sich hat, welche Probleme aus ihr entstehen und wie du sie vermeiden kannst, darum soll es heute beim Geldarchitekten gehen.

Inhalt

1. Was ist das parkinsonsche Gesetz des Geldes?

Cyril Northcote Parkinson war ein britischer Soziologe, der unter anderem durch seine sogenannten „Parkinsonschen Gesetze“ bekannt wurde. Im Jahr 1979 erschien „Parkinsons neues Gesetz“ in dessen Rahmen auch das „Gesetz der Verschwendung“ (das zweite Parkinsonsche Gesetz) erschienen ist.

Dem zweiten Parkinsonschen Gesetz zufolge steigen die Ausgaben eines Menschen stets bis an die Grenze des Einkommens.

Parkinson fand heraus, dass Menschen dazu neigen ihre Ausgaben stets an ihr Einkommen anzupassen. Mit jeder Gehaltserhöhung steigen auch ihre Lebenshaltungskosten, da sie ihren Lebensstil auf ein höheres Level heben und mehr konsumieren. Der Lebensstil wird also dem Einkommen angepasst.

Im Volksmund wir dieses Phänomen der steigenden Ausgaben bei steigendem Einkommen auch als Lifestyle Inflation bezeichnet. Die Lifestyle Inflation ist also die reale Ausprägung des parkinsonschen Gesetzes.

Parkinsonsches Gesetz des Geldes
Die Ausgaben eines Menschen steigen stets bis an die Grenze seines Einkommens. Sie dehnen sich also in dem Maße aus, wie Geld für sie vorhanden ist.

2. Das parkinsonsche Gesetz an einem Beispiel erklärt

Besonders häufig lässt sich das Phänomen der Lifestyle Inflation bei Studenten beobachten, die erstmals nach dem Studium Geld verdienen.

Obwohl diese jahrelang mit einem geringen Budget ausgekommen sind und sich in ihren Studenten-WGs mit wenig Komfort begnügt haben, ändert sich dieser Lebensstil mit der Auszahlung des ersten Gehalts meist abrupt.

Eine eigene Wohnung, ein PKW und regelmäßige Restaurantbesuche sind nicht selten Kostenfaktoren, die fortan auf das Portmonee drücken.

Diese Erhöhung der Lebensqualität soll an dieser Stelle gar nicht negativ bewertet werden, denn auch ich habe meine Lebenshaltungskosten nach meinem Studium erhöht. Ich möchte allerdings davor warnen, dass sich diese Entwicklung der steigenden Kosten nicht verselbstständigt.

Denn häufig bleibt es eben nicht bei einer einmaligen Erhöhung des Lebensstiles. Auch folgende Gehaltserhöhungen werden für zusätzlichen Konsum genutzt.

Es folgt der Umzug in eine größere und schönere Wohnung, es wird ein Neuwagen gekauft oder geleast und auch die Ansprüche bei den Restaurantbesuchen steigen.

Die Ausgaben steigen proportional zum Einkommen und es stellt sich ein gefährlicher Automatismus ein, bei dem jeder zusätzliche Euro an Einkommen für zusätzlichen Konsum genutzt wird.

Die Grafik zeigt verschiedene Möglichkeiten, wie ein Mensch mit zusätzlichen Einkommen umgehen kann. Er kann es zum einen sparsam verwenden, indem er die Ausgaben nicht erhöht. Zum anderen kann er seine Ausgaben moderat erhöhen. Wenn zusätzliches Einkommen und zusätzlichen Ausgaben gleich groß sind, spricht man von Lifestyle Inflation. Sind die zusätzlichen Ausgaben größer als das zusätzliche Einkommen, kommt es zu einer Überschuldung.
Beispiele Einkommen-Ausgaben-Verhältnis

Die Grafik veranschaulicht beispielhaft wie sich das Einkommen-Ausgaben-Verhältnis einer Person entwickeln kann. Von einem individuellen Ausgangspunkt gibt es verschiedene Möglichkeiten mit zusätzlichem Einkommen umzugehen.

Sparsame Menschen (grüner Pfeil) erhöhen ihre Ausgaben trotz steigenden Einkommens nicht. Ein moderater Anstieg des Konsums (gelber Pfeil) ist dann erkennbar, wenn der Anteil des zusätzlichen Einkommens größer ist als der Anteil der zusätzlichen Ausgaben.

Von Lifestyle Inflation (hellroter Pfeil) spricht man dann, wenn das zusätzliche Einkommen 1:1 in den Konsum fließt. Übersteigen die zusätzlichen Ausgaben (dunkelroter Pfeil) das zusätzliche Einkommen, kommt es zu einer Überschuldung und im schlimmsten Fall zu einer Privatinsolvenz.

3. Warum ist die Lifestyle Inflation so gefährlich?

Das Phänomen der Lifestyle Inflation betrifft natürlich nicht nur ehemalige Studenten, sondern Menschen aller Lebenslagen. Also auch Menschen wie dich und mich.

Wenn du auf dein direktes Umfeld schaust, dann wirst du vermutlich mindestens eine Handvoll an Leuten kennen, die gemäß des parkinsonschen Gesetz handeln. Vielleicht handelst du aber auch selber danach!?

Warum erzähle ich dir das alles?

Nun ja, so schön es auch sein mag seinen Lebensstil laufend zu erhöhen und sich tolle neue Dinge zu kaufen, die Lifestyle Inflation hat gravierende Folgen  für die Menschen, die unter ihr leiden.

3.1 Lifestyle Inflation verhindert den Vermögensaufbau

Dort wo die Ausgaben laufend an das Einkommen angepasst werden, bleibt kein Platz für den Vermögensaufbau. Ein klassisches Symptom, das diesen Zustand wiederspiegelt ist das leere Girokonto am Monatsende.

3.2 Lifestyle Inflation führt zu Schulden

Es kommt nicht selten vor, dass die Ausgaben nicht nur an die Grenze des Einkommens angepasst werden, sondern sogar darüber hinaus.

Es beginnt ein Leben „auf Pump“, das den Kontosaldo immer mehr in den Dispo treibt. In der Folge werden die Schulden von Monat zu Monat verschleppt und der Überblick über die eigene Vermögenssituation geht verloren.

3.3 Lifestyle Inflation verursacht Sorgen und Stress

Wenn Konsumschulden entstehen, entsteht gleichzeitig auch psychisches Leiden. Ein Leben in der Lifestyle Inflation hat gleichzeitig mentalen Stress zur Folge, denn die Angst vor dem Blick auf das eigene Girokonto und die Sorgen um die eigene wirtschaftliche Zukunft steigen.

In extremen Fällen ist das Leid so groß, dass die Auseinandersetzung mit den eigenen Finanzen auch komplett gescheut wird. Dies hat zur Folge, dass die Schulden aus dem Auge verloren werden und es zu einer unkontrollierten finanziellen Abwärtsspirale kommt an dessen Ende im schlimmsten Fall die Privatinsolvenz steht.

3.4 Lifestyle Inflation führt zu finanziellen Problemen im Alter

Menschen, die über Jahrzehnte einen verschwenderischen Lebensstil geführt haben, werden im Alter mit der Aufgabe konfrontiert, mit deutlich weniger Geld als bisher auskommen zu müssen. Denn die Höhe des Einkommens im Rentenalter wird in den meisten Fällen deutlich unterhalb des bisherigen Einkommens liegen.

Da in vielen Fällen auch kein Vermögen aufgebaut wurde, das zur zusätzlichen finanziellen Unterstützung im Alter dienen kann, werden Menschen automatisch in finanzielle Bedrängnis kommen (#Altersarmut).

4. Wie du die Lifestyle Inflation bei dir erkennst

Wie du siehst sind die Auswirkungen eines verschwenderischen Lebensstils nicht zu unterschätzen. Es ist deshalb wichtig, dass du dir vergegenwärtigst, in welcher finanziellen Situation du dich aktuell befindest.

Spielt das Thema Lifestyle Inflation für dich keine Rolle? Oder denkst du, dass das parkinsonsche Gesetz für dich zutrifft? Um diese Fragen für dich zu beantworten kann dir folgende Auflistung helfen.

Menschen, die unter der Lifestyle Inflation leiden zeigen häufig ein oder mehrere der folgenden typischen Symptome:

  • Sie nutzen jede Gehaltserhöhung für mehr Konsum
  • Der Saldo ihres Girokontos befindet sich ständig nahe des Nullniveaus oder sogar darunter
  • Sie finden ständig Mittel und Wege, wie sie ihren Konsum finanzieren und sich gegenüber anderen rechtfertigen können
  • Sie haben Konsumschulden bei anderen Menschen oder Banken
  • Sie leben finanziell von Tag zu Tag und sind in Bezug auf Finanzangelegenheiten ungeordnet

Erkennst du dich hier wieder?

Falls ja, dann keine Panik!

Wie das Sprichwort schon sagt, ist die Erkenntnis der erste Weg zur Besserung. Ich gebe dir jetzt 3 praktische Tipps, wie du die Lifestyle Inflation vermeiden kannst und gleichzeitig sehr viel Geld sparst.

5. Tipps wie du die Lifestyle Inflation vermeiden kannst

Einkommen und Ausgaben stehen gemäß des parkinsonschen Gesetzes in einem positiven Zusammenhang. Im Fachjargon würde man sagen: Einkommen und Ausgaben sind positiv korreliert.

Im Klartext bedeutet dies: Je höher das Einkommen, desto höher die Ausgaben.

Mehr Geld zu verdienen wird das Problem der Lifestyle Inflation also nicht lösen. Es bedarf daher anderer Lösungsansätze.

5.1 Erkenntnisgewinn: Konsum macht nicht glücklich

Helle Farben und lachende Gesichter in einer scheinbar perfekten Welt sollen uns dazu antreiben unser Geld für Produkte oder Dienstleistungen auszugeben. Und genau das tun viele Menschen auch – alle in der Hoffnung ihr Leben durch das Gekaufte bereichern zu können.

Erkenntnisse aus der Glücksforschung beweisen jedoch, dass weder Geld noch materieller Besitz zu unserem Wohlbefinden beitragen, sobald unsere Grundbedürfnisse gedeckt sind. [1]

Es ist nachgewiesen, dass unser Glücksgefühl spätestens drei Monate nach dem Kauf eines Gegenstandes auf dem gleichen Glückslevel wie zuvor ist. Wir Menschen gewöhnen uns nämlich verdammt schnell an neue Dinge in unserem Leben.

Konsum ist also nicht der Schlüssel, um fehlendes Glück im Leben zu kompensieren.

Auf der anderen Seite ist ein kompletter Verzicht auf Konsum auch keine Lösung. Unser Ziel sollte es vielmehr sein eine gute Balance aus Sparsamkeit und Konsum zu finden.

So lernen wir auch die Kleinigkeiten im Leben wieder besser zu schätzen, wenn uns z.B. unser Partner mit einer kleinen Aufmerksamkeit überrascht oder wir feststellen, dass uns unser alltägliches Leben alles gibt, was wir brauchen.

Das erste Weg zu Vermeidung der Lifestyle Inflation besteht darin, dir zu vergegenwärtigen, dass Konsum dich nicht glücklicher macht!

Die Dinge, die dich im Leben wirklich glücklich machen wie z. B. Sport, freundschaftliche und familiäre Beziehungen und ein erfüllender Job sind umsonst. Die Glücksressource einer menschlichen Beziehung erschöpft sich nicht wie die eines Gegenstandes.

5.2 Plane deine Ausgaben in Budgets

Die Erkenntnis, dass Konsum nicht glücklich macht ist der erste und wichtigste Baustein auf dem Weg die Lifestyle Inflation zu vermeiden.

Aber mal ehrlich, wenn du unterwegs bist und dir etwas kaufen willst, dann interessiert dich diese Weisheit vermutlich auch nicht mehr und du kaufst dennoch die Sachen, die dir gefallen.

Es bedarf daher klarer eigener Regeln für den alltäglichen Umgang mit Geld, die der Lifestyle Inflation entgegen wirken.

Eine dieser Regeln sollte die Festlegung von Budgets für alle Arten von Ausgaben sein.

Durch Budgets legst du für dich selber fest, wie viel Geld du z. B. für Wohnen, Lebensmittel, Mobilität, Freizeit, etc. monatlich ausgeben willst. Budgets haben den großen Vorteil, dass sie dich in deinem täglichen Umgang mit deinem Geld disziplinieren. Denn jedes Budget stellt für dich ein kleines finanzielles Ziel dar, das du monatlich erreichen willst.

Die Grafik zeigt beispielhaft, wie Ausgaben in Budgets geplant werden können.
Ausgaben in Budgets planen

Bei der monatlichen Kontrolle deiner Ausgaben wirst du schnell feststellen, ob du deine Budgets eingehalten hast oder ob du auf zu großem Fuß gelebt hast. Du wirst zudem sehr schnell lernen „in Budgets zu denken“ und einschätzen können, welche Ausgaben du dir leisten kannst und welche nicht.

Auch wenn du deine Budgets immer mal wieder nicht einhalten kannst, ist das nicht schlimm. Alleine die Tatsache bewusst auf deine Ausgaben zu achten wird in dir eine völlig neue Denkweise hervorrufen, durch die du in jedem Fall weniger Geld ausgibst als vorher.  

5.3 Rechne dich arm und verstecke das Geld vor dir selber

Arm rechnen? Geld vor mir selber verstecken? Was genau soll das sein!?  

Ich gebe zu, dass dieser Tipp im ersten Moment ungewöhnlich klingt, aber er hat es in sich.

Versprochen!

Wir sind uns sicher einig, dass die Versuchung Geld ausgeben größer ist, wenn du über ein prall gefülltes Girokonto oder ein dickes Portmonee mit Bargeld verfügst, oder?

Was aber wäre, wenn du in dir das Gefühl erzeugst, trotz vorhandenen Geldes über wenig Geld zu verfügen?

Du würdest vermutlich deutlich weniger ausgeben, oder?

Sich arm rechnen und das Geld vor sich selber verstecken ist die logische Fortführung des vorangegangen Budgetierung –Tipps. Es funktioniert folgendermaßen.

So gehst du vor

Neben deinen monatlichen Ausgabe-Budgets solltest du zusätzlich zweckbestimmte Rücklagen bilden und für dich als Ausgaben erfassen. 

Beispiele für Rücklagen sind: Urlaube, deine Immobilie, KFZ-Instandhaltung und Neuanschaffung, Einrichtungsgegenstände etc. Also alles Sachen, für die du zukünftig vermutlich Geld benötigst.

Die Grafik zeigt beispielhaft, wie ein Rücklagenkonto aufgebaut sein kann.
Beispiel Rücklagenkonto

Der Gedanke dahinter ist, dass du dir gegenüber auf dem Papier monatlich höhere Kosten ausweist, als du in Wirklichkeit hast. Du rechnest dich also ärmer als du bist und erzeugst in dir das Gefühl weniger Geld zum Ausgeben über zu haben.

Du trickst dich also selber aus!

Mit deinen Rücklagen baust du dir eigene Finanzpuffer auf, die du zukünftig für die unterschiedlichen Zwecke nutzen kannst. Die Betonung liegt hier bewusst auf „kannst“, denn Rücklagen sind Kann-Kosten.

Ob du die Rücklagen für die entsprechenden Zwecke in Zukunft nutzt bleibt nämlich dir überlassen. Das Geld hast du aber in jedem Fall gespart und nicht ausgegeben.

Damit du zwischendurch nicht in Versuchung kommst deine Rücklagen für irgendetwas anderes auszugeben, musst du das Geld vor dir selber verstecken.

Dies schaffst du am besten, indem du dir ein Kontensystem aufbaust und das Geld für die Rücklagen auf ein separates Tagesgeldkonto überweist, auf das du nicht zugreifst. Am sinnvollsten ist es für verschiedene Zwecken Konten zu führen z. B. ein Lebenshaltungskosten, Rücklagen, Rückstellungen, Investitionen etc.

In diesem Beitrag siehst du, wie ein Kontensystem aussehen kann.

Ich rechne Janina und mich schon seit Jahren arm und verstecke das Geld vor uns selber. Wir bilden monatlich Rücklagen für verschiedenste Zwecke.

Eins kann ich dir sagen: Es funktioniert gigantisch gut und das Rücklagenkonto läuft vor Geld fast über. 🙂

Fang am besten gleich damit an und probiere es selber aus!

6. FAQ

6.1 Was ist Lifestyle Inflation?

Lifestyle Inflation bezeichnet das Phänomen, dass die Ausgaben eines Menschen sich in genau dem Maße ausdehnen, wie Einkommen zur Verfügung steht. Bei einer Gehaltserhöhung neigt ein Mensch also dazu seine laufenden Ausgaben durch einen gesteigerten Lebensstil zu erhöhen.

6.2 Was ist das erste parkinsonsche Gesetz?

Das erste parkinsonsche Gesetz besagt, dass Arbeit sich in genau dem Maß ausdehnt, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht. Anders gesagt: Je mehr Zeit du dir für eine Aufgabe nimmst, desto länger wirst du auch dafür brauchen. 

Kennst du Menschen, die an der Lifestyle Inflation leiden? Oder gibst du sogar selber gerne mehr Geld aus, als es gesund wäre?

Ich freu mich auf deinen Kommentar!

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2 Gedanken zu „Lifestyle Inflation – Das parkinsonsche Gesetz des Geldes“

  1. Toller Beitrag! Ich kannte diese Gesetze bisher noch nicht, aber das sind wirklich interessante Theorien, die meiner Meinung nach vollkommen zutreffen.

    Antworten
    • Hey Rina,

      danke! 🙂 Als ich das erste Mal vom parkinsonschen Gesetz gehört habe, dachte ich mir auch, dass ich einige Personen kenne auf die diese Theorie zutrifft.

      Antworten

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